Abschied aus dem aktiven Berufsleben

Sr. Hanna Neißl

Begegnungen mit Menschen geben ihr Lebenskraft, sagt Sr. Hanna Neißl. Als Gymnasiallehrerin für Geschichte und Religion, dann 14 Jahre lang als Schulleiterin des ORG Graz-Eggenberg, hatte sie dazu viele Gelegenheiten. Bald übergibt sie die Leitung an ihre Kollegin, die jetzige Administratorin Beate Majcen.

Das Unterrichten war für Sr. Hanna – damals noch Irene – immer präsent: Ihre Mutter war Volksschullehrerin. In der siebten oder achten Klasse kristallisierte sich heraus, was sie wollte: Geschichte und Theologie studieren und ihr Wissen weitergeben. Nach dem Studium in Salzburg unterrichtete sie sechs Jahre in Schärding, dann zwei weitere am Franziskus GYM in Wels. Durch eine Bekanntschaft mit einer Grazer Schulschwester kam sie mit der Ordensgemeinschaft in Kontakt und entschied sich für den Weg als Ordensfrau. Seit 1996 unterrichtet sie am ORG Graz-Eggenberg, seit 2012 ist sie Schulleiterin.

Neugierde wecken, Zusammenhänge vermitteln
„Ich möchte die Neugierde in den Kindern und Jugendlichen wecken“, sagt sie. Wissen könne man heute überall nachschlagen. Was zähle, sei die Fähigkeit, es einzuordnen und zu hinterfragen – gerade angesichts sozialer Medien und des Drucks, dem die Jugendlichen dadurch heute ausgesetzt sind. Nicht alles entwickle sich zum Positiven: Die zunehmende Bürokratie sei mühsam, und Eltern, die die Schule als „Gegner“ betrachten, erlebe sie manchmal als Herausforderung.

Echte Begegnungen
Seit einigen Jahren trägt Sr. Hanna kein Ordenskleid mehr. So erlebe sie weniger Schubladendenken, weniger Distanz, mehr echte Begegnung, meint sie. Das Tau-Zeichen trägt sie weiterhin, und die Schülerinnen und Schüler nennen sie ganz selbstverständlich „Schwester Hanna“. Franziskanisch zu leben bedeutet für sie: den Geschöpfen Gottes Respekt entgegenzubringen, politisch zu denken.

Nun freut sie sich darauf, bald nicht mehr eingetaktet zu sein von sechs Uhr morgens bis in den Abend. Aufs Radfahren und darauf, den Kopf einmal freizubekommen. Wobei sie als Ordensschwester weiß, dass neue Aufgaben auf sie warten: „Wir werden sehen, was die Gemeinschaft von mir braucht – ich stehe zur Verfügung.“

„Was zählt, ist die Fähigkeit, Wissen einzuordnen.“
(Sr. Hanna Neißl)

Fotos aus dem Arbeitsleben von Sr. Hanna

(c) Marlene Oswald